Archiv für den Monat Oktober 2015

Von Belgien nach Thüringen – Köstritzer Witbier

Die Bierrevolution ist in vollem Gange. Inzwischen erreichen ausländische Bierspezialitäten, die man früher mühevoll organisieren musste, selbst die großen Supermarktketten, ein Zeichen dafür, dass genügend Interesse vom Verbraucher an Alternativen zu den üblichen deutschen Massenbiersorten wie Pils und Export besteht. Und die großen deutschen Hersteller nehmen diesen Faden auf und stellen selbst Varietäten her, wie es der thüringische Brauer Köstritzer mit seinem Witbier tut. Nach den eher schlechten Erfahrungen, die ich mit halbherzigen Experimenten anderer deutscher Hersteller gemacht hatte, bin ich aber erstmal skeptisch, wenn ein urbelgisches Produkt wie ein Witbier so plötzlich aus deutschen Kesseln träufelt.

Bei einem Witbier erwarte ich mir im Glas eine trübe, helle Farbe, und das ist beim Köstritzer schonmal auch direkt gegeben. Vom optischen Eindruck her könnte man es für ein Hefeweizen halten.

koestritzerwitbier-flaschePositiv überrascht ein sehr angenehmer Geruch, und ein aromatisch sehr ähnlich gelagerter Geschmack zu Beginn; fruchtig, hell, bitter. Dann doch überhaupt nicht wie ein Hefeweizen, mehr wie ein belgisches Blonde. Man erkennt die Orangenschale; man ahnt den Koriander, typische Zusätze in belgischen Witbieren, die der deutsche Hersteller laut Etikett auch einsetzt. Dieses Bier macht wirklich Spaß.

Schnell abgestanden ist es dann aber; die letzten Schlucke, nach ca. 20 Minuten, schmecken nur noch hefig, schal und leer. Eine ähnliche Erfahrung mache ich inzwischen mit einigen Bieren, vor allem Pale Ales. Eventuell muss ich die Biere einfach schneller trinken, obwohl mir das widerstrebt; vielleicht habe ich auch, wie auf dem ersten Foto erkennbar, ein bisschen zu optimistisch schnell eingegossen – ist ein vorsichtigeres Eingießen empfehlenswert?

koestritzerwitbier-glasDie zweite Flasche, zwei Wochen später, habe ich dann direkt so getrunken, ohne Glas; da ist das Mundgefühl was die Perlage angeht, etwas besser, doch die schnell einsetzende Schalheit ist auch hier gegeben. Es liegt also am Bier, nicht am Eingießen. Ein Bier für Schnelltrinker also.

Mir gefällt die hübsche, elegante, schwungvolle Flasche außerordentlich, davon können sich die meisten Hersteller eine Scheibe abschneiden mit ihren langweiligen Standardflaschen. Man sieht hier: Man kann alles falsch machen, wie Beck’s, oder alles richtig, wie Köstritzer. Ich hoffe, die Branche hält sich für die Zukunft eher an letzteres Vorbild.

Horrido! Auf die Pirsch! Teil 3: Bisonjagd mit Grasovka Vodka

Die Jagdsaison neigt sich dem Ende, und nach Hirsch und Geflügel verlangt es dem erfahrenen Wildtöter nun nach einem Stück Fleisch in Westernart. Wir brauchen Waffen nach  Art von Old Shatterhands Bärentöter, um endlich dem Gral des Fleischessers, dem Bison, ans Leder zu gehen. Nun, ich als Tierfreund ziehe dann wie gewohnt aber eine artenschützende, alkoholische Lösung vor und widme mich dem Grasovka Vodka, der einen Bison im Markenlogo und einen Bisongras-Halm in der Flasche trägt.

grasovka-flascheIch habe kein besonders gutes Verhältnis zu Vodka. Besonders die westliche Form des Vodka, der in Europa und den USA gern getrunken wird, bekannt durch Marken wie Smirnoff und Absolut, deren einziges Ziel es ist, nach nichts zu schmecken, ist für mich der Abgrund, in den Wirkungstrinker schauen. Ich als Genusstrinker verlange nach Aromen, vielleicht bin ich da altmodisch, und will meine Drinks, wie Cocktailhistoriker David Wondrich es in seinem Buch Imbibe! schreibt…

… based not on a thin and anodyne tipple like vodka, but rather on something robust and flavorful, like cognac, rye whiskey, Holland gin, or brown sherry (…).

Doch, so habe ich in diversen Lektüren zumindest erzählt bekommen, gibt es auch Vodka, der anders ist. Der aromatisch und kräftig schmeckt, und auch für Purtrinker nicht nur zum Runterkippen geeignet ist – kein dürres Impala-Antilöpchen, sondern halt ein massiver Büffel. Gehört der Grasovka Vodka dazu?

Ein klares, aber doch leicht cremefarbenes Tarnmuster trägt der Vodka auf seinem täglichen Revierabgrasen ins Glas. Ebenso gut tarnt sich das schlaue Biest vor meinem Geruchssinn, doch ich kann dann schon eine schwache Alkoholnote, und eine tatsächlich leicht grasige, zitronige Teenote erahnen. Stammt das vom Grashalm oder vom Vodka selbst?

grasovkavodka-glasDer erste Mundkontakt ist dann erstmal überraschend: ölig und schwer rinnt er in den Mund. Ein seltsamer Geschmack, ungewohnt, schwer, nur leicht alkoholisch, trotz 40%. Sehr dunkel im Aroma, das passt so gar nicht zur hellen Farbe. Leicht salzig, würzig, vielleicht sogar etwas fleischig, oder umami. Ich kann diesen Geschmack nur schwer einordnen, auf jeden Fall ist da ein Geschmack, und zwar nicht zu knapp. Kein Vergleich zu Smirnoff & Co.

Ja, das ist ein Vodka, der sich als Jagdziel gerade für den saisonierten Jägermeister, der auf Qualität aus ist, lohnt. Lange bleibt der Grasovka am Gaumen, sorgt für Speichelfluss wie es sonst nur guter Whiskey tut, und ist schließlich warm und weich in Kehle und Magen. Ungewöhnlich, aber gut. Sicherlich eine wunderbare Ergänzung zu fettigem Fingerfood, wie es die Polen gern essen.

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Die Frage, die sich mir beim respektvollen Betrachten der Flasche mit dem transparenten Etikett stellt, ist, ob der Strohhalm darin nicht nur ein Gimmick ist, wie der Wurm im Touristenmezcal. Ich bezweifle, dass so ein einzelner Strohhalm für diese Aromenvielfalt verantwortlich sein kann, insbesondere ist eine Dauermazeration ja auch nicht unbedingt gewünscht. Wahrscheinlich ist er dann doch die polnische Variante des gusano.

Ein halber Liter des Bisonglücks ist für unter 10€ zu bekommen, und auch wenn dieser aromatische Vodka sicher eher mühevoll in Cocktails, die immer noch nach nichtsschmeckendem Schnaps verlangen, wenn Vodka im Rezept steht, unterzubringen ist, so ist er doch als Anschauungsobjekt und Ausstellungsstück für den echten Spirituosenfreund unersetzlich; Vorurteile gilt es auch in der Welt der Alkoholika abzubauen, und wer einmal diesen Vodka getrunken hat, sagt nicht mehr, dass Vodka grundsätzlich nach nichts schmeckt. Wie so oft gilt: Man muss einfach nur den guten trinken.

Ich finde, er gibt auch einem alten Bekannten, dem Moscow Mule, einen kleinen, gemüsigen Touch. Faszinierend!

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Moscow Mule
2 oz Grasovka Vodka
½ oz Limettensaft
4 oz Ginger Beer


Für mich ist die Jagd damit erstmal zuende; drei wirklich schöne Trophäen habe ich mir erarbeitet, und ich hoffe, nächstes Jahr wieder ähnlich Waidmannsheil zu haben. Bis dahin nun aber winterliche Schonzeit für die armen Schnapstierchen!

Die Vitalienbrüder trinken kein Pils – Störtebeker Whisky-Bier

Hohoho! Und ne Buddel voll… Bier! Wir Fans von Piraten mussten uns bisher mit Tafia, Rum und anderem Hochprozentigem rumschlagen, und konnten uns nicht mit Landratten-Getränken wie Bier vergnügen. Es wurde Zeit, dass eine Brauerei sich endlich erbarmt und ein Piratenbier herstellt. Wer könnte einer norddeutschen Brauerei aus der Hansestadt Stralsund dann besser Pate stehen als Klaus Störtebeker, der der Hanse so manche schlaflose Nacht auf See bereitete? Das Störtebeker Whisky-Bier ist eines der neuen Produkte des Herstellers, gebraut mit britischem Whisky-Malz.

stoertebekerwhiskybier-glasDie Farbe ist hübsches Hennarot, das sehr gut im Glas wirkt. Im Glas ist schon nach wenigen Sekunden kein Schaum mehr vorhanden; die kräftige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier dennoch erfrischend kitzelt.

Geruch ist ebenso praktisch keiner erkennbar, vielleicht eine kleine metallische Note. Sehr süß und malzig ist dann der Geschmack, und mit einem leichten Hopfen nur wenig bitter, minimal fruchtig ist es, und hat eine schwache Säure. Insgesamt finde ich enttäuschend wenig Körper und Dichte, für ein Bier mit 9% und der Vermarktung als Whiskybier ist das recht schwach.

stoertebekerwhiskybier-flascheDer Geschmack ist tatsächlich deutlich rauchig, ich empfinde ihn aber als nicht wirklich angenehm. Er geht mehr in die Richtung eines speckigen Rauchs, der zum Räuchern eingesetzt wird. Schwarzwälder Schinken mag ich eigentlich, aber wenn man den Geruch auf ein Bier überträgt, hält sich meine Begeisterung stark in Grenzen. Den torfigen Rauch eines Whiskys, oder Whiskyaromen, finde ich hier nicht. Bei jedem Schluck denke ich an geräucherten Hering – vielleicht ist die Etikettenillustration kein Vitalienbrüder-Schiff, sondern ein Fischkutter?

Erneut, alle Kritikpunkte, die ich auch bei einem anderen Piratenbier, dem Hornbeer Caribbean Stout, äußerte, sind auch hier zu finden: Eine Halbliterflasche ist zu groß für ein Spezialitätenbier, den Zuckerzusatz, immerhin auf dem Etikett ausgewiesen, finde ich zumindest fragwürdig. Leider hat das Störtebeker Whisky-Bier keinen der positiven Punkte, die ich beim Caribbean Stout fand. In Mixology 5/2015 wurde es gelobt, unter anderem ein Kaufgrund für mich, aber das bin ich inzwischen gewohnt bei diesem Magazin, dass unsere Geschmacksmeinungen sehr oft weit auseinander gehen.

stoertebekerwhiskybier-flaschenpackNun habe ich noch 3 Flaschen dieses Biers, gekauft im 4-Flaschen-Paket, für 7€, von denen ich fast sicher bin, sie selbst nicht zu trinken; das überzeugt mich davon, nie wieder Gebinde zu kaufen, sondern nur noch Einzelflaschen, wenn ich das Produkt nicht kenne. Ich werde die Flaschen wahrscheinlich an Kollegen als Probe verschenken – vielleicht findet sich da einer, der dieses Bier mehr zu schätzen weiß als ich. Und vielleicht entdeckt dann ein mutiger Bierkolumbus darunter auch den namensgebenden Whisky, den ich nicht finden konnte auf meiner Expedition.

Nachtrag 06.11.2015: Keiner der Beschenkten konnte meine Meinung widerlegen. Leider stimmten alle darin überein, dass dieses Bier eher nicht erneut ins Glas kommt. „Die eingeschlafenen Füße eines schottischen Bierbrauers“ war ein Kommentar über den Geschmack. Ich stimme zu.

Kandierter Zuckerorangenextrakt – Chadess Liqueur d’Orange Bitterorangenlikör

Discounter haben ihren Ruf bezüglich Qualität deutlich aufpoliert in den letzten Jahren, insbesondere seit bekannt ist, dass viele ihrer Waren umfirmierte Markenprodukte sind. Da liegt es nahe, sich auch im Spirituosenbereich mal in der Auslage eines Aldi-Markts umzuschauen; Sparfüchse wie ich erhoffen sich davon eine günstige Alternative zu Markensprit. Eine Zutat, die man bei klassischen Cocktails häufig braucht und man einen entsprechenden Verbrauch hat, ist Triple Sec. Wie passend, dass Aldi auch einen Bitterorangenlikör im Angebot hat, unter dem Namen Chadess Liqueur d’Orange.

chadess-flascheDie Flasche hat etwas klassisches: Langhalsig und dickbäuchig. Ein schönes Etikett und ein Siegel dazu, und schon ahnt niemand mehr, dass diese Flasche aus dem Discounter stammen könnte (für die Heimbarmixer, die einen Ruf zu wahren haben, zwinker zwinker).

Die Farbe ist, wie für einen Triple Sec zu erwarten war, klar; die Konsistenz recht dickflüssig. Ein sehr schöner, süßlicher, milder Orangengeruch entströmt dem Verkostungsglas, es erinnert an vorweihnachtliche Kindertage, als Mandarinen zum ersten Mal ins Haus kamen, und diese nicht das ganze Jahr über erhältlich waren.

Geschmacklich ist dieser Chadess nur bedingt pur trinkbar. Klebrig süß, der Orangengeschmack geht unter all dem Zucker unter, es bleibt nur ein Hauch davon auf der Zunge. Keinerlei Säure oder Bitterkeit, was man vielleicht von Orangen erwartet. Vielleicht etwas wie die orangefarbenen Nimm-2-Bonbons. Uff, das klebt am Gaumen, und nichts von der schönen Nase ist übriggeblieben.

Letztlich ist ein einfacher Triple Sec wie der Chadess halt eine Cocktailzutat, dessen Aufgabe oft nur ist, eine gewisse Fruchtsüße in den Cocktail zu bringen. Moderne Rezepte verzichten gern auf diese Komponente und ersetzen sie durch andere Süßungsstoffe, wie der Triple Sec ersetzt wird durch Agavendicksaft in Tommy’s Margarita. Da der Triple Sec seine Cocktailarbeit meist im Hintergrund verrichtet, und praktisch nie als definierender Geschmacksträger vorkommt, ist die Angabe eines Signatur-Cocktailrezepts etwas schwierig; der bekannteste Cocktail mit Triple Sec ist aber wahrscheinlich die Margarita.

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Margarita
1½ oz Tequila Blanco (z.B. Agavita Platinum)
½ oz Chadess Bitterorangenlikör
1 oz Limettensaft
In einem Glas mit Salzrand servieren


Als Fazit halte ich fest: Der Chadess von Aldi ist ein halbwegs passabler Triple Sec, der über den Preis (7€) und die leichte Erhältlichkeit punkten kann, allerdings schon extrem süß ist, selbst für einen Likör. Wem Aldi-Sprit zu poplig ist, kann durch geringen Aufpreis zu Le Favori wechseln, der etwas weniger süß und geschmacklich spannender ist; und wer für die die höhere Gesellschaft mixt, greift zu Grand Marnier Cordon Jaune, oder Cointreau, der erkennbar feiner und vielschichtiger vom Geschmack ist.

Bergsteigen für Genießer – Underberg

Wer hat sie nicht noch im Ohr, die Werbung von Underberg aus den 90ern. Dass der beliebte Bitter es nicht geschafft hat (oder nicht gewillt ist), sein „semper-idem“-Altherrengetränk-Image seitdem abzulegen (im Gegensatz zu beispielsweise Jägermeister, das zum Partygetränk mutiert ist), ist schade; gerade in Zeiten, in denen Bitter auf den Cocktailkarten wieder zurückkehren, ist das eine vertane Chance gewesen. Nur mit dem „nach-dem-Essen“-Motto kann man heutzutage keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Dabei hat Underberg eigentlich schon was zu bieten, was auch modernen Genusstrinkern gefallen kann.

underberg-doseDer Bitter als Spirituosenkategorie hat eine sehr alte Geschichte. Die ultrabittere Konkoktion aus Kräutern, Fruchtteilen und natürlich Alkohol wurde zunächst als Tonikum, zur Stärkung und Kräftigung von Körper und Geist, verkauft. Man denkt dabei gern an den Schlangenölhändler Docteur Doxey aus Lucky Lukes siebtem Abenteuer.

Docteur Doxey
Lucky Luke: L’élixir du Docteur Doxey © Dupuis

Ob es nun wirklich, wie gern und oft beworben, gut für den Magen nach dem Essen ist („Magenbitter“ wurde ja besonders in Deutschland zu einer eigenen Spirituosenkategorie), sei dahingestellt – diese Annahme ist wohl auch ein Relikt aus dieser Zeit. Irgendwann entdeckte man, dass das Zeug, wenn man sich mal daran gewöhnt hat, auch ganz gut schmecken kann; und mit Aufkommen der Cocktailkultur ab Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bitter als feiner Twist in einem Cocktail nicht mehr wegzudenken.

Der Underberg selbst riecht sehr herbal, mit Kardamom, Muskat und Nelken im Vordergrund; sehr gefällig und angenehm. Im Mund ist eine starke Lakritznote, ein eher süßlicher Ton, dann vorherrschend. Dagegen kommen nicht viele andere Gewürzanklänge an, doch die Nelke ist wieder da, ein Eukalyptus-Gefühl und der Alkohol erzeugen einen beeindruckend räumliches Mundgefühl. Auf jeden Fall einzigartig und mit hohem Wiedererkennungswert.

Dass man Underberg auch heute in einer Bar gut einsetzen kann, zeigt der überraschende Underberg Sour. Eine sehr faszinierende Mischung, die man auch nach dem Essen trinken kann. Oder vor dem Essen. Bei diesem tollen Geschmack wahrscheinlich beides – Kenner erkennen vielleicht den Trinidad Sour dahinter.

Underberg Sour


Underberg Sour
1 Fläschchen Underberg
1 oz Mandelsirup
1 Spritzer Orange Flower Water
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse Rye BiB)
¾ oz Limettensaft


Persönlich gefällt mir die Aufmachung, in den kleinen Fläschchen, mit Packpapier umwickelt, und einem Medikamentenbeipackzettel nachahmenden Etikett. Wenn man die Fläschchen dann noch schön in einem Glashalter präsentiert, greift selbst der härteste Bitterhasser bestimmt zu.

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…und wenn einem dann doch der Schnaps zuviel Alkohol enthält, oder ein „Teatotaller“ nach dem Essen dennoch gern den Geschmack dieses Bitters verkosten würde, biete man einfach die entsprechenden, in der Apotheke erhältlichen Kräuterbonbons an – sie werden tatsächlich als „Digestifbonbons“ vermarktet und schmecken wirklich sehr ähnlich wie der Bitter. Und sie sind garantiert alkoholfrei.

Kräuterberg Kräuterbonbons

Linus‘ Kuscheldecke kann nicht flauschiger sein – Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ein durchdringendes Vanille-Aroma steigt einem direkt in die Nase, wenn man den Korken von einer Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey zieht. Sehr zart, und gleichzeitig fast ein bisschen fruchtig. Und im Mund zeigt sich, wie weich ein Whiskey sein kann. Der Bourbon legt sich wie eine Kaschmir-Wolldecke in den Mundraum, kuschlig und warm. Der Abgang zeigt dann die Volumenprozente schon, aber auch hier ist der Woodford Reserve zurückhaltend, und komplettiert den sonst fast zu femininen Geschmackseindruck mit einer maskulinen Schärfe, die am Ende durch eine nussige Note abgeschlossen wird.

woodfordreserveflascheIm Regal macht sich die Flasche natürlich auch toll. Sehr zeigefreudig dient nur ein winziges Etikett mit aufgedruckter Batch- und Fassnummer, sowie ein dezentes Labelling als Feigenblatt – die glorreiche Farbe strahlt für sich in der schmalen, extravaganten Flasche.

Insgesamt also eher ein Feingeist unter den Bourbons, und entsprechend muss man ihn einsetzen. Der Woodford Reserve hat es schwer gegen grobe Cocktailzutaten, er ist mehr ein Snooker- als ein Rugby-Spieler. Doch gerade seine heftige Vanille macht ihn perfekt für zum Beispiel einen Kentucky Buck.

kentuckybuck-cocktail


Kentucky Buck
2 oz Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey
  ¾ oz Limettensaft
  ½ oz Zuckersirup
1 gemuddelte Erdbeere
2 Spritzer Celery Bitters
…und das ganze aufgießen mit einem Schuss Ginger Beer.


Der Woodford Reserve ist auch der klassisch verwendete Bourbon für einen der ikonischsten Cocktails Amerikas überhaupt: den Mint Julep. Wer einen davon machen will, stilgerecht in einem Silberbecher serviert, sollte zumindest diesen Whiskey in die engere Wahl einbeziehen.

Wenn man einen weichen Bourbon sucht, vielleicht als Geschenk, kann man mit dem Woodford Reserve nichts falsch machen. Er ist oft in Supermärkten erhältlich, zu moderaten Preisen für die gelieferte Qualität.

Ich mach mir den Punsch wiede-wiede-wie-der mir gefällt – Swedish Punsch

Die Hintergrundgeschichte für dieses neue Experiment ist zweigeteilt. Einerseits habe ich eine große Flasche Arrak im Regal stehen, der nur wenig Einsatzzeit im Cocktailspiel bei mir bekommt. Andererseits habe ich in Ted Haigh’s Cocktailbuch den einen oder anderen klassischen Cocktail gesehen, den ich gern nachkochen würde – doch es fehlt mir eine vergessene Zutat: Swedish Punsch. Da ich keine Ahnung habe, wie Swedish Punsch aussieht oder schmeckt, und er zwar in Flasche in Europa gut zu bekommen ist (Carlshamns Flaggpunsch wäre ein Beispiel), ich aber gern experimentiere, versuche ich ihn heute mal selbst herzustellen, gemäß dem Pippi-Langstrumpf-Motto im Titel.

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Ich halte mich grob an das DIY Swedish Punsch-Rezept von Marcia Simmons, allerdings verwende ich natürlich Arrak statt Cachaça, den sie benutzt, weil an Arrak in den USA scheinbar noch schwerer heranzukommen ist als an Swedish Punsch, lasse den Rum nicht weg, und nutze chinesischen Qualitätsschwarztee statt einem Darjeeling-Teebeutel.

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Arrak-Zitronen-Infusion
1 Zitrone, ein dünne Scheiben geschnitten
1 Nelke
1 gute Prise gemahlener Kardamom
8 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
2 oz Demerara-Rum (z.B. El Dorado 12)


Alle Zutaten der Arrak-Zitronen-Infusion in ein Glas geben, schütteln und einen Tag stehen lassen. Am nächsten Tag kann man schonmal beginnen, den Schwarztee-Sirup herzustellen.

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Schwarztee-Sirup
1 Teelöffel Schwarztee (z.B. Keemun Superior von Tea Pavilion)
4 oz heißes Wasser
150g Zucker


Den Tee mit dem Wasser aufbrühen und ziehen lassen, abfiltern, und den Zucker einrühren, dann abkühlen lassen.

Nun seihe man die Arrak-Zitronen-Infusion durch ein Teefilter oder Passiertuch, um Zitronenfruchtfleisch und Gewürzreste zu entfernen; dann wird die gefilterte Infusion mit dem Schwarztee-Sirup gut vermischt und in eine Flasche oder Karaffe abgefüllt. Erneut über Nacht ruhen lassen. Die eingelegten Zitronen werfe ich nicht weg; ich habe eine Dose Pfirsiche inklusive Sirup aus der Dose dazu ins Glas gekippt, und habe damit einen Tag später eine perfekte Auflage für ein Toast Hawaii mit gewürzten Pfirsichen.

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Geschmacklich hat diese Mischung doch einiges zu bieten – für Likörfreunde ist die sehr süße Mischung aus Zitrus-, Tee- und Rumaroma vielleicht ansprechend. Ich kann mangels Vergleich nicht beurteilen, ob er so schmeckt, wie Swedish Punsch schmecken soll, aber die hergestellte Mixtur ist doch schonmal lecker. Ansonsten habe ich mir den Swedish Punsch natürlich als Cocktailzutat, wie eingangs erzählt, hergestellt. Beginnen kann man mit dem Diki-Diki-Cocktail (das Rezept ist nach Vintage Spirits and Forgotten Cocktails, andere Quellen haben leicht andere Mengenangaben).

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Diki-Diki
1½ oz Calvados
 ½ oz Swedish Punsch
 ¾ oz Grapefruit-Saft


Ein wirklich angenehmer Drink, der durch den Calvados und den Swedish Punsch einen schönen süßen Apfelgeschmack erhält.

Manchmal gehen Experimente bei der eigenen Spirituosenherstellung schief; oft sind sie es den Aufwand nicht wirklich wert. Beim Swedish Punsch aber hat alles funktioniert und einen tollen Likör ergeben.

Das ist (fast) die perfekte Welle – Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Aloha, liebe Genusstrinker! Bei der Weltumrundung in flüssiger Form kann man wohl nicht weiter weg von Deutschland als Hawaii, und seinem Kona Brewing Big Wave Golden Ale. Rentiert sich der weite Weg, den das Bier hinter sich hat? Wird uns eine goldene Welle von Glückseligkeit überspülen? Werden wir nach dem Genuß die Swingin‘ Hula Girls tanzen sehen?

bigwave-flascheDirekt nach dem Eingießen sehe ich keinerlei Schaumwelle, fühle aber dennoch eine überraschende Menge an Kohlensäure. Ein Bier, äußerst fruchtig, Orange, Grapefruit, und vielleicht bilde ich mir das aufgrund der Thematik dieses Biers nur ein, aber ich meine, Ananas zu schmecken. Mit Sicherheit eins der fruchtigsten Biere, die ich bisher getrunken habe. Vom zugrundeliegenden  Charakter erinnert es etwas an ein Weizen- oder Witbier.

bigwave-glasIm Mund habe ich ein seltsames Gefühl bei diesem Bier, als wäre es schal. Eine starke Trockenheit ist schon direkt beim ersten Schluck da, und eine dezente, ansprechende Bitterkeit mit 20 IBU. Aber zwischen bitter-trockenem Abgang und superfruchtigen Aromen fehlt irgendwas. Kaum Körper oder Volumen, es ist wie bei einem Musikstück, das nur aus Höhen und Bässen besteht, und die ganzen mittleren Tonspuren, die die Melodie tragen, fehlen.

bigwave-farbeDennoch ein leichtes, sehr erfrischendes Bier; als Beigabe zum Essen ist es ungeeignet, weil es durch andere Aromen überfordert ist. Es hält auch nicht lange vor, die Aromen verschwinden schnell wieder vom Gaumen. Ein schönes Bier als exotische Abwechslung für den privaten Biergarten, oder auch, mit 4,4%, als verrücktes Bürobier fürs „Bier um Vier“, mehr aber leider nicht. Das Brauereimotto „fresh, responsible, always aloha“ kann ich allerdings bedingungslos unterschreiben. Und die schönen, ins Glas eingelassenen hawaiianischen Inseln finde ich auch toll.

bigwave-flaschenmarkeIn Deutschland ist es für meinen Geschmack mit 3€ aber viel zu teuer für das, was es liefert. Für die Hälfte des Preises würde ich es öfters trinken – mit dieser Preisstruktur, natürlich durch den Import begründet und letztlich auch verständlich, wird dieser Ausflug ins hawaiianische Bierparadies ein einmaliger Urlaub bleiben.

Bananensaft, die zweite – Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey

Ich wurde gefragt, ob man den Jack Daniel’s Single Barrel Select mögen kann, wenn einem der „normale“, also wahrscheinlich Old No. 7, nicht schmeckt. Ich würde sagen, nein, denn letztlich ist der Single Barrel eine stärkere Version der Old No. 7 mit seinen bekannten Geschmacksnoten. Wie ich schon zu jener bekanntesten Abfüllung der Firma Jack Daniel sagte, ist für mich das beherrschende Aroma Banane – und auch hier, im Single Barrel, ist das der Fall, nur noch einen Tick intensiver.

jackdanielssinglebarrel-flascheIntensiver ist auch die Farbe – ein sehr schönes Gold, das im Glas glitzert. Die sehr kräftige, aromatische Nase setzt sich dann auch im Mundgefühl fort – da hat man was im Mund, einerseits süß und karamellig (und, ich kann es nicht oft genug sagen, bananig), andererseits ist der Alkohol, mit 45% nicht gerade wenig, etwas zu deutlich im Vordergrund, gerade beim Abgang – da spürt man schon die Prozente den Rachen runtergurgeln. Da gibt es Bourbons, die bei gleicher Alkoholmenge diese zarter abliefern. Jack Daniel’s Single Barrel Select gehört für mich deshalb zu den kräftigeren, wuchtigeren amerikanischen Whiskeys, etwas für den Gaumen, der mit Alkoholziepen zurechtkommt und das schätzen kann – und dann mit einer edlen, angenehmen Trockenheit, ungewöhnlich für amerikanische Whiskeys, belohnt wird.

jackdanielssinglebarrel-farbeGerade diese erhöhte Alkoholmenge und der doch deutlich intensivere, würzigere, kräftigere Geschmack sorgen dafür, dass man diesen Whiskey auch perfekt in Cocktails einsetzen kann, die nach Bourbon verlangen, auch wenn man hier einen Tennessee-Whiskey vor sich hat, und nicht nur in Longdrinks. Zum Beispiel in einer Naughty Belle-Variation. Auch wenn eigentlich Georgia der Pfirsich-Staat der USA ist, passt die Kombination doch perfekt.naughtybelle-cocktail


Naughty Tennessee Belle
1½ oz Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey
½ Dosenpfirsich
1 oz Sirup aus der Pfirsichdose
½ oz Limettensaft
Pfirsich mit allen Zutaten gut muddeln und mit Crushed Ice servieren


jackdanielssinglebarrel-barrelnumberDie Flasche selbst ist sensationell – ein sehr schöner „Decanter“-Stil, mit Glasprägung der Unterschrift des Unternehmensgründers, einem edlen Holzstöpsel auf dem Korken und einem edlen, zurückhaltenden Etikett. Am Flaschenhals dann die in einer Einzelfassabfüllung obligatorischen Angaben über Fass- und Regalnummer.

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Ein Hingucker und, da der Preisunterschied zum Old No. 7 nicht so wirklich groß ist, eine Empfehlung für Whiskeykenner, denen der schwarzgelabelte Jack zu weicheirig ist.

Die Rumkanonenkugel – Pampero Aniversario Reserva Exclusiva

Natürlich muss man bei einem solch extrovertierten Rum wie dem Pampero Aniversario Reserva Exclusiva als allererstes das ansprechen, was einem als Käufer sofort ins Auge springt: die Aufmachung. Eine dicke, kleine Flasche mit Kunstsiegel, ein hübsches Etikett und der sehr repräsentative Lederbeutel, der die Flasche eng umschmiegt machen diesen Rum zu einem Hingucker im Regal. Dieser Aufmachung ist ein langsamer Unboxing-Report durchaus angemessen.

pampero1Der Lederbeutel ist das Markenzeichen dieses Rums. Eingeprägt ist eine Reproduktion des Flaschenetiketts, mit dem aufsteigenden Pferd als Logo der Marke. Ein Lederzugriemen hält den Beutel oben am Flaschenhals zusammen. Das Leder des Beutels fühlt sich sehr weich, fast samtig an.

pampero2Vorsichtig öffnen wir den Zugriemen, und legt den Inhalt frei. Ich hoffe, ich höre mich nicht an, wie jemand, der den BH einer Stripperin öffnet und vor dem freigelegten Anblick erstarrt; es hat aber schon was sinnliches, diesen Rum auszupacken. Sowas gibt in der Endbewertung Extrapunkte, das bietet wirklich nicht jede Spirituose.

pampero-flascheNun steht die Flasche vor uns, wie Gott sie schuf – kurz und etwas kugelig, eine Rumkugel sozusagen. Ein hübsches, altmodisches Etikett, ein Siegel, und die Farbe des Rums, schön kräftig dunkel, wissen insgesamt sehr zu überzeugen.

Der Geruch dieses venezuelanischen Rums ist verwirrend – man könnte ihn eigentlich für einen Bourbon halten, so karamellig und trotzdem eichenwürzig kommt er daher. Auch vom Geschmack her bekommt man eine sehr spannende Dosis von Aromen ab – und obwohl er natürlich durchaus süß ist, sind es diese leichten Seitenaromen von Nuss, Karamell, Schokolade und Pflaumen, die zusammen mit der sehr angenehmen Schärfe (ganz ohne ist dann halt doch langweilig) ein insgesamt spannendes Mundgefühl ergeben, das neben dem Purgenuss den Pampero Aniversario mit seinen ca. 4 Jahren Reifung zu einem hervorragenden Qualitäts-Mixrum macht. Das eigentlich fast perfekte Preisleistungsverhältnis sorgt schließlich dafür, dass man diesen Rum nicht auslassen kann – ein Schnäppchen für Sipper und eine hochqualitative Zutat für Mixer.

 Was für ein Cocktail könnte für diesen dunklen, süßschokoladigen Rum besser passen als ein Jackie Brown? Mit einer Quittenscheibe dekoriert, gibt diese wunderbare, leider oft unterschätzte Frucht auch noch ein bisschen Fruchtsüße dazu eine tolle Kombo.

Jackie Brown


Jackie Brown
2 oz Pampero Aniversario Reserva Exclusiva
¼ oz Ahornsirup
¼ oz Bénédictine
2 Spritzer Chocolate Bitters (z.B. Xocolatl Mole Bitters)


Allerdings muss man zuguterletzt eine Sache ansprechen: um die 12g/L Zucker werden auch hier, wie bei vielen „Premium“-Rums üblich, nach dem Destillieren zugesetzt, um das Produkt süßer, qualitativer und hochwertiger erscheinen zu lassen – 12 Gramm sind im Vergleich zu anderen Rums, wie dem Botucal, Zacapa, El Dorado oder Vizcaya allerdings fast wenig. Das entschuldigt natürlich nicht das Vorgehen; zumindest tut aber Pampero mit diesem Rum nicht so, als sei es die Krone der Rumwelt, wie die Vorgenannten es gern machen; und auch preislich liegt dieser Rum in einer Kategorie, dass ich sage: Wenn schon gesüßt, dann der Pampero Aniversario Reserva Exclusiva.