Archiv für den Monat Juli 2015

Rauchzeichen aus der Karibik – Balmoral Aged 3 Years Coronita

Hin und wieder ergänze ich meinen Alkoholgenuss durch Tabak. Während des Studiums hatte ich mal ein paar Jahre Zigaretten geraucht, das dann aber schnell wieder abgestellt. Nun genieße ich die eine oder andere Zigarre pro Woche. Dadurch, dass man nicht täglich raucht, und wenn, dann qualitativ höherwertigen Tabak, ist dies überhaupt nicht mit Zigarettenrauchen vergleichbar: Hocharomatisch, elegant und traditionsbewusst.

Die Balmoral Aged 3 Years Coronitas sind erstmal eine Augenweide. Jede einzelne Shortfiller-Zigarre ist separat zellophan-verpackt. In der wirklich schön gestalteten Schachtel mit Schubfach liegen die 5 Zigarren mit Banderole nach oben, bereits vorgeschnitten, sehr repräsentativ vor einem.

balmoral-packungZur Größe – die Coronita ist eine Abart der Corona, und noch kleiner als die Petit Corona. Mit 14mm Durchmesser und Länge 98mm  ist sie eine schmucke, kleine Perle unter den Zigarren. Man raucht ungefähr eine halbe Stunde an ihr.

balmoral-grc3b6c39feDer Abbrand ist völlig gerade, der Zugwiderstand perfekt: nicht zu schwer, nicht zu leicht. Das Rauchvolumen füllt den Mund wunderbar aus, ein cremig-dichter Rauch fühlt sich gut am Gaumen an. Auch optisch macht die Zigarre was her, mit der schönen Banderole. Das dunkle, etwas dickadrige Deckblatt sieht aber nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch fein an. Der Kaltgeruch ist mild und typisch für diese Tabaksorten.

balmoral-gerauchtSie passt perfekt zu einem Tag im Biergarten, mit einem Bruch Zwickel dazu. Ein sehr milder Geschmack aus den dominikanischen Tabaken, mit Ansätzen von Schokolade durch das brasilianische Mata-Fina-Deckblatt, wird ergänzt durch eine leicht würzige Note: Gegen Ende, in der zweiten Hälfte, nimmt die Würze stärker zu und erreicht fast pfeffrige Qualitäten. Dabei kann man sie wirklich bis zum Schluss, dem letzten Drittel, gut rauchen, denn der Rauch wird nicht heiß oder unangenehm durch die kürzere Länge.

Eine Zigarre, die ich gewiss wieder kaufen werde. Eine ideale Mischung aus leichtem Genuss mit einem gewissen Ansatz von Anspruch, auch wenn sie den wahren Zigarren-Aficionados vielleicht etwas zu leicht daherkommt. Persönlich finde ich alle Zigarren und Zigarillos mit Mata-Fina-Deckblatt köstlich: Überraschend, wie das Deckblatt den Gesamtgeschmack so stark beeinflussen kann.

Für 7,50€ pro Fünferpackung in fast jedem halbwegs vernünftigen Tabakladen erhältlich – auch das ein Pluspunkt für eine Zigarre für Zwischendurch. Ein Schnäppchen.

Karibischer Rosstäuscher – Relicario Ron Dominicano

Ich will gleich zu Beginn ehrlich sein – der Relicario Ron Dominicano ist ein Rum, den ich allein aufgrund der äußerst ansprechenden Verpackung gekauft habe. Wem geht das nicht so, dass das Äußere den ersten Impuls auslöst, der dann zu mehr führt, als man eigentlich will?

relicario-2Die wunderbare, eckige Flasche (übrigens dieselbe, die auch für das Gold of Mauritius als Behältnis dient) mit wirklich schönen, edlen Aufdrucken sowohl auf der Vorderseite, als auch mit einem herrlichen Schifffahrtsmotiv, das durch die Flasche scheint, auf der Rückseite; einer sehr schönen Holzverkleidung für den Plastikdrehverschluss sowie einem üppig gestalteten Pappkarton als Hülle – und dann noch ein tolles Booklet dazu.

relicario-bookletDazu die tiefdunkle, kräftig-braune Farbe. Das Auge hat echt was von diesem Rum aus der Dominikanischen Republik. Was will man mehr.

Genug vom Oberflächlichen geschwärmt. Ich gieße mir einen guten Schuss in ein Verkostungsglas, und nun darf auch die Nase schwelgen. Sehr aromatisch, kräftig, karamellig und dunkel riecht der Rum ähnlich, wie einem das Auge verspricht. Eine minimale Klebstoffnote, die mit der Zeit verfliegt – das sehe ich nicht kritisch, das ist üblich für gealterte Qualitätsspirituosen. Sehr trockenfruchtig, nussig, leicht schokoladig. Ein wirklich sehr schönes, angehmes Geruchsspektrum.

relicarioIm Mund dann der erste Eindruck: Durchaus süß, aber auch hier schon etwas salzig. Schnell setzt dann endgültig die herbe Komponente ein, und ein starkes Alkoholbrennen – kaum zu glauben, wie sehr ein Rum mit „nur“ 40% brennen kann. Das überrascht dann doch sehr, weil man es sonst eher von Billigrums kennt, und der Alkohol dominiert dann schließlich jede andere Geschmacksnote. Insgesamt nur wenig Körper, kaum Volumen, enttäuschend eindimensional verbleibt er dann am Gaumen. Die herbe Note übernimmt am Ende und kann noch etwas mit nussiger, lederner Trockenheit punkten – man muss so einen Geschmackseindruck bei Rums aber mögen; wer eher auf Süßes steht, wird wenig Freude haben. Ich mag das eigentlich schon, wäre da nicht die zungenbetäubende Alkoholstrenge.

Ich bin nur mäßig begeistert. Ich sehe bei diesem Rum nur wenig „Sipping“-Potenzial, sondern werde ihn als Premium-Mixrum nutzen. Gerade die Trockenheit macht ihn dann für manche Cocktails spannend, wie dem Cool Orchard, in dem er toll gegen die süßen Säfte auftrumpfen kann.coolorchard-cocktail


Cool Orchard
1½ oz Relicario Ron Superior
1 oz Ananassaft
½ oz Ingwersirup
½ oz Limettensaft
¼ oz Mandelsirup
¼ oz Vanilleschnaps


Insgesamt bin ich immer geneigt, das Gesamtpaket zu sehen, und das ist beim Ron Relicario am Ende in der Bilanz dann doch positiv, auch wenn ein Großteil davon rein das Auge und die Nase erfreut. Doch ein paar Jahre mehr im Fass hätten diesem Blend aus drei Rums ganz gewiss die endgültige Reife gegeben, das gröbste Brennen entfernt, was ihn zu einem großen Rum gemacht hätte.

Nachtrag 06.02.2016: Wie so vielen Rums wird auch diesem Rum Zucker zugesetzt, ohne dass es auf dem Etikett vermerkt ist. Nachdem ich nun mein Aräometer selbst auch einsetze, um meine Rums zu vermessen, musste ich hier leider 12 g/L Zucker nachweisen. Es ist ein Wunder, dass selbst mit soviel Zucker dieser Rum noch so körperlos daherkommt. Irgendwie kann ich mir nicht erklären, warum jemand, wenn er schon manipuliert, es dann nur so halbherzig tut. Echte Rumfreunde hat er schon bei einem Gramm verloren, da hätte er mit einer Handvoll mehr Zucker wenigstens die Rumlikörfreunde erfreuen können.

Dazu kommt, dass der Master Blender dieses Rums just zugegeben hat, dass dieser Rum aromatisiert ist – hier nachzulesen (auf Französisch): In der Rumbasis werden Trockenfrüchte und anderes mazeriert. Damit ist der Relicario für mich kein Rum mehr.

バレルのうち – Nikka from the Barrel Blended Malt Whisky

Wie üblich beginnen wir beim Farbeindruck – bernsteinfarben lächelt uns der Nikka from the Barrel Blended Malt Whisky aus dem Land des Lächelns an. Die Nase ist sehr fruchtig, karamellig und voller Vanille. Wie ein Bourbon, denkt man sich bei diesem japanischen Blended Whisky für einige wenige Sekunden, und ist dann um so überraschter, dass man unvermittelt eine plötzliche Wandlung vom Bourbon zum Scotch mitverfolgen kann.

nikka

Japanischer Whisky ähnelt ganz klar mehr dem schottischen als dem amerikanischen Typ. Auch beim Nikka from the Barrel finden sich torfige, medizinale Noten, die beim Mälzen der Gerste entstehen. Dabei ist er nur minimal rauchig, und eher fruchtig-süß, sehr ausgewogen und vom Master Blender perfekt abgestimmt: ein außergewöhnlich rundes, dabei aber durchaus maskulines Mundgefühl lassen mich jeden Schluck einzeln verträumt genießen. Die Krönung ist dann ein dichtes Kakao- oder Schokoladenaroma, das den Whisky weich umschließt.

Bei dieser Alkoholstärke von 51,4% empfehle ich, ein paar Tropfen Wasser zuzugeben. Durch diese wenigen Tropfen entfaltet sich erst der wahre, volle Geschmack durch das Aufbrechen der Verbindung von aromatischen Molekülen an den Alkohol, und die Geschmacksknospen werden auch nicht so stark betäubt und können dadurch die Aromen besser weitergeben. Das hat mit „Verdünnen“ nichts zu tun – es ist einfach ein Mittel, die wahre Essenz, das Beste aus diesem Whisky hervorzuholen. Probieren Sie es aus – 3:1 oder 4:1, und wie von Zauberhand werden weitere, vorher verborgene Aromen freigesetzt. Da riecht man plötzlich die Zitrusfrüchte, und schmeckt man plötzlich das Malz in einer ungeahnten Form. Wasser ist der beste Freund des Whiskys.

Scotchähnliche Spirituosen, wie dieser Whisky, sind schwierig in Cocktails zu verarbeiten. Der Rattlesnake Cocktail aus dem Jahr 1930 dagegen lässt sich vom Whisky tragen, und die weiteren Zutaten geben dem Getränk einen kleinen Twist; das Eiweiß schließlich verleiht dem ganzen eine herrlich sämige Konsistenz und ein wunderbares Schaumkrönchen.

Rattlesnake


Rattlesnake Cocktail
1½ oz Nikka from the Barrel
1 Teelöffel Limettensaft
1 Spritzer Absinthe
1 Spritzer Gomme Sirup
½ Eiweiß


Die Flasche zeigt, dass man auch mit Understatement protzen kann. Eine wunderschöne, reduktionistische, Halbliter-Designerflasche mit einem hochqualitativen Schraubverschluss und einem hübschen, ebenso typisch japanisch zurückhaltendem Etikett, das ganze passgenau verpackt in einem dezenten Karton – Qualität muss nicht schreien, um gehört zu werden. Ein kleines Kästchen, ein riesiger Inhalt.

nikka-bottleLassen Sie sich auf diesen wunderbaren Blended Whisky ein, der ohne Mühe in der Weltspitze der Whiskys mithalten kann.

Hinter dem Regenbogen – Spirituosenfarben

Für alle meine Spirituosenrezensionen versuche ich mich, soweit möglich, an das hervorragend ausgedachte und produzierte Farbenrad zu halten, das im „Eye for Spirits“-Onlinemagazin veröffentlicht wurde.

Gerade Rum, Whisk(e)y, Tequila, Bier und einige andere Spirituosen lassen sich damit wunderbar einordnen. Für alles, was darüber hinausgeht – grün, blau, grelleres rot – versuche ich, möglichst kreativ aber noch verständlich zu sein.

Auch wenn es stark von den Lichtverhältnissen abhängt (viele meiner Spirituosenrezensionen schreibe ich spät abends im dunklen Kämmerlein, mit nur dem blauweißen Licht des Computermonitors; andere bei strahlendem Sonnenschein, wenn die Reflexe im Glas die Spirituose Funken sprühen lassen), glaube ich, dass wenn es klar definiert ist, worüber man redet, die Kommunikation eindeutiger ausfällt.

Daher gehe ich auch davon aus, die Farbe immer so zu beschreiben, wie ich sie im Glas wahrnehme, nicht in der Flasche (Ausnahmen betone ich dann im Text). Das dünnere Glas des Verkostungsglases, und der geringere Inhalt, machen es einfach besser zu beurteilen.

Das weitere gute an der Benutzung eines halbstandardisierten Farbenrad ist, dass man sich nicht dauernd krampfhaft Synonyme für „ocker“ und „kupfer“ überlegen muss, sondern gelassen eben den passenden Begriff verwenden kann. Vorbei die Zeiten von „sandblond“, „büttenpapierbeige“ und „faulige-Bananen-braun“! Ich werde mir aber weiterhin erlauben, besonders schöne oder hässliche Farben anders zu benennen.

Und bitte nagelt mich nicht fest, ob dieser und jener Whiskey nun nicht doch „Kupfer“ statt „Terracotta“ ist!

Gegen das Reinheitsgebot – Wolfberger Amer Bière Orange

Wieder eine dieser Zutaten, die man hin und wieder in Cocktailrezepten findet, und mit denen man oft erstmal nichts anfangen an. Amer, Amer Picon, Amer Nouvelle, Amer Bière – letztlich ist das alles grob dasselbe: Ein französischer, leichter Bitterapéritif, erinnernd an italienische Amaros, mit Fruchtaromen (hier: Orangen) versehen. Picon ist der vielleicht noch bekannteste Hersteller von Amers in Deutschland.

amer-biere-1Wolfberger ist eine im Saarland sehr bekannte elsässische Kellerei, ansässig in Colmar, die einen recht guten Crémant und ähnliche Schaumweine herstellt – und eben diesen Amer Bière Orange. So genannt, weil ein Haupteinsatzgebiet dieses Bitters aus Orangen, Chinarinde und Enzian die Vermischung mit Bier ist: Ein Aromazusatz, sehr beliebt im Elsass, wo es auch noch weitere Geschmacksrichtungen gibt, zum Beispiel mit Zitrone.

Pur kann man sich diesen französischen Leichtbitter so vorstellen: Nehmen Sie einen Amaro wie Ramazotti, Cynar oder Fernet Branca, und verdünnen Sie ihn 1:1 mit Wasser, geben vielleicht einen Spritzer Orangenbitter dazu. Das kommt ganz gut hin. Eine wirklich leichte, angenehme, auch sehr gut pur trinkbare Spirituose, mit 15% Alkohol auch nicht zu kräftig – mit einem Eiswürfel, oder etwas Sprudel, vielleicht sogar Sekt oder Crémant: hmmm, lecker.

Als Cocktailzutat vergleiche ich ihn auch mit Amaros. Sie kommen gerade nicht an diese Spirituose ran, brauchen einen Ersatz dafür für einen Cocktail? Nehmen Sie meine oben vorgeschlagene Verdünnungsvariante, das gibt einen sehr passablen Ersatz. Doch das Original ist halt immer besser als ein Ersatz, wie man im sehr leckeren Sanctuary sieht.

sanctuary-cocktail


Sanctuary
2 oz Dubonnet Rouge
1 oz Wolfberger Amer Bière Orange
1 oz Triple Sec (z.B. Le Favori)


Nun aber zum Bier-Vermischungstest. Zwei recht unterschiedliche Biere habe ich mir ausgesucht, die mit dem Amer aus dem Hause Wolfberger aromatisiert und dann verkostet werden sollen: Ein bayerisches Hefeweizen und ein saarländisches Pils.

Ein Paulaner Hefeweizen, wie man es aus dem Biergarten kennt, soll der erste Kandidat für den Bierzusatz sein. Schönes ocker, herrliche Schaumkrone, leichter Geschmack – ein Sommergetränk. Ein kräftiger Schuss Amer Bière Orange hinzugegossen, und die Farbe wird einige Stufen dunkler. Der Geruch ändert sich, wird fruchtiger, und man erkennt den Bitterton darin. Der Geschmack schließlich wird doch deutlich verändert – die orangige Fruchtigkeit übernimmt alles, der Biergeschmack ist zwar noch fühlbar, aber klar im Hintergrund und erst im Nachgeschmack kommt er wieder zum Vorschein. Eine leichte Bitternote ganz hinten am Zäpfchen gibt dem sonst eher süßlichen Hefeweizen einen interessanten Touch und fügt etwas Komplexität hinzu.

amer-biere-2Nach diesem ersten Experiment glaube ich allerdings, dass Hefeweizen nicht der ideale Partner für Amer Bière ist – das Weizen ist an sich schon leicht fruchtig und süß, durch den Amer wird das nur noch stärker betont, ist also relativ unspannend. Es gibt einige Fertigmischungen, z.B. von Schöfferhofer, die ein sehr ähnliches Geschmackserlebnis direkt aus der Flasche anbieten. Der nächste Versuch findet daher mit einem Pils statt. Das bevorzugte Pils meiner Region ist Karlsberg Urpils.

amer-karlsberg-1Hier zeigt sich der Charakter der Geschmackswandlung meiner Meinung nach deutlich besser: Die hopfige Bitterkeit des Pils wird gemildert und durch eine weichere Bitterkeit ersetzt. Die Orange kommt sehr schön zum tragen, wird nicht so sehr durch den Eigengeschmack wie beim Hefeweizen überdeckt. Eine Trockenheit am Ende gleicht die süße Fruchtigkeit schön aus. Eine wirklich angenehme Kombination, auch farblich in einem Pariser Rot sehr ansprechend.

amer-karlsberg-2Der klare Gewinner. Das ist was, womit ich meine Kollegen beim nächsten „Bier um Vier“ bei uns überraschen werde – ich bin gespannt auf die Reaktionen der „harten Kerle“, wenns um so einen Zusatz geht.

Als Bierzusatz stellt sich in Zeiten, in denen es Dutzende von vorgemischten aromatisierten Bieren bereits leicht erhältlich gibt, die Frage nach dem Sinn. Für mich ist das leicht zu beantworten – das vorgemischte, standardisierte Zeug ist geschmacklich zwar ähnlich, aber es geht doch irgendwie nichts über das Gefühl des Selbermachens; und man halt statt künstlichen Aromen doch mit dem Wolfberger Amer Bière Orange etwas qualitativ sehr viel hochwertigeres und darüber hinaus traditionelles in der Hand hat – und man seine Lieblingssorte Bier verwenden kann.

Ein Nachtrag – auch wenn diese Sorte Bitter in Deutschland in Vergessenheit geraten ist, im Nachbarland Frankreich sind sie noch sehr beliebt, erkennbar an diesen Schnappschüssen aus einem französischen Supermarkt.

amers-regalamers-regal-2Den Wolfberger dagegen bekommt man auch im saarländischen Globus für 9€ den Liter.

Und noch ein Nachtrag, nach einem Ausflug in die saarländische Kneipenwelt im beliebt-berüchtigten alternativen Nauwieser Viertel. Dort gibt es Amerbier in Kneipen auch auf der Karte, und laut einem diesbezüglich sehr erfahrenen Kollegen ist Amerbier schon immer im Saarland ein beliebtes Mischgetränk gewesen, das sich aufgrund des geschmacklich sehr gut verborgenen Alkoholgehalts hin und wieder als gefährlich erwies…

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Die Katze schleicht ums Haus – Dubonnet Rouge

Die Farbe des Dubonnet Rouge  ist tiefdunkelrot, fast schon bräunlich, und erinnert daneben dann auch vom Geruch an Ruby Port, dazu mit feinen Honigaromen. Der Geschmack ist dann aber noch milder, mit Anklängen von Sangria, Sherry und der leichten Chinarindennote, ohne dabei bitter oder trocken zu werden – das ist was, was man sehr gemütlich am Kamin vor sich hin schlürfen kann, und als Beigabe zum Dessert gewiss viele Freunde findet.

dubonnet-flascheDer Dubonnet übernimmt in vielen Cocktails die Rolle des Wermut. Letztlich ist, wenn man nicht wirklich gleich schweren Portwein einsetzen will, Martini Rosso vielleicht noch das ähnlichste, was man als Ersatz verwenden könnte,  doch selbst dieser recht süße, milde Wermut ist immer noch erkennbar bitterer als Dubonnet. Daher ist Dubonnet ein wunderbares Mittel, eine dichte, schwere Süße mit Rotwein- oder sogar Portweincharakter in einen Drink zu bringen, wie geschehen im folgenden Décolletage-Cocktail.


Décolletage
1½ oz Tequila reposado (z.B. El Jimador)
1 oz Dubonnet Rouge
½oz Aperol
¼oz Fernet Branca


Dieser Cocktail mag auch als Illustration dafür dienen, wie sich die Zutaten eines Cocktails durch sorgfältige Konstruktion ergänzen können: Die Fruchtig- und Duftigkeit des Tequila, die schwere Süße des Dubonnet, der leichte Bittergeschmack des Aperol und die Mentholnote des Fernet ergeben zusammen ein sehr süffiges, ansprechendes Gesamtbild. Eine Variation, die ich noch ausprobieren will, ist, den Fernet Branca durch Branca Menta zu ersetzen. Etwas stärkere Mentholnote tut diesem schweren Cocktail bestimmt gut.

Und wenn man auf ultrasüße, dichte Dessert-Cocktails steht, sollte man mal einen Fat like Buddha antesten, der auch so schmeckt, wie er heißt.

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Fat like Buddha
2 oz Rum añejo (z.B. Ron Relicario)
¾oz Dubonnet Rouge
¼oz Bénédictine
¼oz Orangenlikör (z.B. Clément Créole Shrub)


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Wenig aufregend ist das Flaschendesign, das Etikett dagegen gefällt durch die Retro-Anspielung auf alte Barplakate: Mir gefällt die schwarze Katze, deren Silhoutte man auf der Flasche sieht, und der schwungvolle Namenszug. Ein spannendes neues Mitglied im Team „Mixologie“!

Illinois Twisted Whiskey – Koval Single Barrel Bourbon

Für mich ist das eine Premiere – es handelt sich beim Koval Single Barrel Bourbon um einen einfachen Bourbon (also: hergestellt in den USA, mindestens 51% Mais in der Mashbill, in frischen, ausgebrannten Weißeichefässern gereift). Doch ohne die sonst allgegenwärtigen Namenszusätze Kentucky (er wird in Chicago, Illinois hergestellt), oder Straight (er reift unter 4 Jahren, hat aber keine Altersangabe, darf daher dieses Label nicht nutzen). Dennoch ist es ein Single Barrel, also flaschenabgefüllt aus einem einzelnen Fass ohne Blending. Schon allein wegen dieser ungewöhnlichen Kombination ist dieser Bourbon für mich spannend.

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Die Farbe ist ein angenehmes Ocker, die Nase überrascht mich auch nicht wirklich: Sehr bourbontypisch, Vanille, Eiche, Lack – beim zweiten Riechen erkennt man die Hirse, wenn man weiß, wonach man riechen muss (ich empfehle zum Training den Millet Whiskey von Koval). Im Mund machen sich erstmal die 47 Volumenprozent breit, und bereiten den Grund für sehr angenehme, aber recht gewöhnliche Bourbonaromen, die man schon gerochen hat. Es ist interessant, dass die verwendete Getreidekombination, Mais und Hirse, sich geschmacklich kaum von den üblichen Bourbonmixturen (Mais, Roggen/Weizen, Gerste) unterscheidet. Der Mais scheint die Hirse glatt an die Wand zu spielen, erst spät schmeckt man die frische Fruchtigkeit der Hirse. Ein relativ kurzer, aber durchaus recht aromatischer und pfeffrig-würziger Abgang komplettiert eine interessante, vielleicht einen minimalen Tick geschmacklich zu konventionelle Spirituose – die für das junge Alter aber überraschend reif und rund ist.

Die 0,1-Liter-Flasche ist dennoch sehr ansprechend und ungewöhnlich. Lang und schlank, mit einem sehr zurückhaltenden, modernen Etikett – hier zeigt der Micro-Distiller mit österreichisch-amerikanischen Wurzeln seine Charakteristik. Entsprechend einem Single Barrel-Whiskey ist die Fassnummer auf dem Rückenetikett handschriftlich eingetragen (bei mir Fass-Nummer 375). Ein Plastikkorken mit Holzaufsatz verschließt die nette, blickfängerische Flasche.

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Erwähnenswert ist die organic-Zertifizierung dieses Whiskeys. Es ist ein EU-Bio-Logo auf dem Rückenetikett vorhanden, ich bin mir nicht sicher, inwieweit die komplette Vertriebsschiene auch zertifiziert ist, eine Voraussetzung dafür, dass man den Whiskey in Deutschland als „Bio-Whiskey“ vermarkten dürfte. Letztlich aber ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, das Getreide für die Herstellung nur aus zertifizierten Betrieben im Mittelwesten zu beziehen, so dass man zumindest sicher sein kann, keinen Monsanto-Genmais in diesem Schnaps zu konsumieren. Darüber hinaus enthält er nur den Heart Cut, also keine minderwertigen Destillationsartefakte – und ist unfiltriert. Handwerklich also spitze.

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Bourbon ist ein Brand, der sich wunderbar in Cocktails einsetzen lässt, und mit vielen anderen Zutaten harmoniert. Zum Beispiel mit den etwas Italien-lastigen Ingredienzien des The Paper Plane.

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The Paper Plane
¾ oz Koval Single Barrel Bourbon
¾ oz Aperol
¾ oz Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
¾ oz Limettensaft


Ich mag die Produkte von Koval. Eine kleine Destillerie, die den richtigen Weg einschlägt, und den amerikanischen Whiskey-Riesen vielleicht durch ungewöhnliche Zutaten und Herstellungsweise den einen oder anderen Kunden, der etwas außergewöhnliches, neues ausprobieren will, abspenstig machen kann. Bei mir ist es ihnen auf jeden Fall gelungen – der Hirse- und Viergetreide-Whiskey stehen schon im Regal, bereit, ausführlich verkostet zu werden. Probieren Sie es aus, Sie werden nicht enttäuscht werden. Und Whiskey-Fans müssen eh schon allein aus den oben genannten Gründen zuschlagen.

Heißes Zaubereis – Campari-Eiswürfel

Man beginne mit einer Campari-Wasser-Mischung. Dies ist notwendig, da der Campari sonst nur sehr schlecht gefriert. Für meinen Test habe ich 100ml Campari mit 50ml Wasser vermischt.

Campari-Eiswürfel 1Der zweite Schritt ist das Abfüllen in eine Silikon-Eiswürfelform. Ich finde die „Bar Brat“-Form, die vier Kammern hat und schöne runde Eiswürfelkugeln erzeugt, gut in der Handhabung. Die Mischung füllt ca. die Hälfte der Form aus, den Rest gieße ich mit Leitungswasser auf, bis es oben aus den Ausgleichsöffnungen quillt.

Campari-Eiswürfel 2Nun lasse man die Eiswürfel gut durchgefrieren. Durch den Alkoholgehalt des Campari dauert es erstens länger als mit reinem Wasser, und das Ergebnis sind auch weniger feste Eiskugeln. Ich ließ sie daher zur Sicherheit 24 Stunden gut durchgefrieren.

Campari-Eiswürfel 3Raus aus dem Eisfach, und schon beim Öffnen der Silikonform lachen einen die schönen roten Kugeln an. Ein bisschen Reiben und Polieren, um den Ring am Durchmesser, entstanden durch die Nahtstelle der zweiteiligen Eisform, etwas wegzubekommen.

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Voila! Eine schöne, runde, rote Campari-Eiskugel, bereit zum Einsatz in Getränken!

Campari-Eiswürfel 5

Im Glas wirkt sie wie eine überdimensionierte Kirsche, oder eine Cocktailtomate. Schon allein dieser verwirrende Effekt ist die Arbeit wert.

Campari-Eiswürfel 6In welchen Drink passt sie? Der Klassiker für diese Eiskugel wäre ein klassischer Manhattan. Also flugs 2 oz Rye-Whiskey (Jim Beam Rye), 1 oz roter Wermut (Carpano Antica Formula) und zwei Spritzer Pfirsichbitter angerührt. Ich verzichte dabei ausnahmsweise darauf, den Drink auf Eis zu rühren, da ich das Schmelzen des Campari-Eiswürfels beschleunigen will.

Manhattan-ZutatenUnd dann ohne viel Aufhebens rein mit der Campari-Kugel! Da in einen echten Manhattan auch eine Cocktailkirsche gehört, ist der Effekt auch optisch ein Knaller.

Campari-Eiswürfel im Drink 1Die ersten Schlucke sind noch purer Manhattan, wie man ihn kennt und liebt. Doch mit zunehmendem Abschmelzen des handgemachten Campari-Eises wandelt sich der Manhattan Schritt für Schritt in einen Boulevardier.

Campari-Eiswürfel im Drink 2Ein wirklich spannendes Geschmacksexperiment, und eines, mit dem man sicher seine Gäste überraschen kann – gerade Cocktailfreunde werden begeistert sein von dieser wundersamen Verwandlung!

Sicher kann man ihn auch in anderen Rezepturen einsetzen. Ich stelle mir, ganz einfach, ein Glas kalten Orangensafts vor, der mit diesem Eiswürfel erstmal verziert und schließlich mutiert wird.

CampariOrange

Auch ein Sweet Martini, der sich mit dem Campari-Eis in einen Negroni wandelt, ist bestimmt ein spektakulärer Einsatz.

Kuba ist frei – Ron Arecha Añejo Reserva

Lang genug hat es gedauert – es scheint, als ob Kuba nun langsam aus dem US-Embargo befreit werden würde. Mich interessiert, ehrlich gesagt, die politische Komponente überhaupt nicht. Kuba ist für mich für zwei Dinge interessant, die ich in Europa auch mit US-Embargo bekomme: Zigarren und Rum. Doch ich freue mich für die Amis, dass die endlich auch in den legalen Genuss dieser herrlichen Luxusartikel kommen können. Und vielleicht beendet nun auch das US-Unternehmen Paypal sein Verbot, kubanische Artikel mit ihrem Dienst bezahlen zu können – es hat mich doch bass erstaunt, bei diversen Onlineshops nicht mit Paypal bezahlen zu können, sobald ich eine Flasche Havana Club oder ähnliches mit im Warenkorb hatte.
ron-arecha Doch nun zum Ron Arecha Añejo Reserva. 10 Jahre ist das Durchschnittsalter der Rums in diesem kubanischen Blend. Durchaus respektabel. Man kann ihn gewiss pur trinken, wenn man den kubanischen Rum-Stil mag: Ein bisschen eckig und kantig, aromatisch, zwar süß, aber schon etwas kräftig. Man spürt den Alkohol. Aber im Vergleich zum allgegenwärtigen Havana Club ist der Arecha meiner Meinung nach ein spürbarer Fortschritt. Letztlich habe ich selten einen Cuba Libre getrunken, der vom Preis-Leistungsverhältnis besser war.

Dazu rauche ich an einem lauen Frühlingsabend im Garten eine herrlich milde, aromatische Ashton Estate Esquire und bin für eine gute halbe Stunde im karibischen Exil.

Alternativ ist dieser Rum natürlich ein starker Spieler in einem rumlastigen Cocktail, wie dem 3 Holy Kings.threeholykings-cocktail


3 Holy Kings
1 oz Ron Arecha Añejo Reserva

¾ oz Brandy (z.B. Carlos I. Brandy de Jerez)
¾ oz  Zitronensaft
¾ oz Honigsirup
1 Messerspitze Piment und 1 Nelke


Gerade für die Adventszeit ein idealer Cocktail. Gönnen Sie sich das dann hin und wieder statt dem allgegenwärtigen, überzuckerten Glühwein.

Die Flasche ist streng, sehr gerade, erinnert etwas an die bekannte Ramazotti-Flasche. Ein wirklich ausgesprochen edel designetes Etikett gehört für mich mit zu den anziehendsten Flaschenetiketten.

ron-arecha-etikettDen Rum gab es eine Weile bei Aldi Süd zu kaufen, ich habe noch eine Restflasche für den Klassepreis von knapp 10€ ergattert. Womit bewiesen wäre: Nicht alles, was ein Discounter anbietet, muss automatisch Bottom-Shelf-Ware sein. Es findet sich immer wieder auch eine Perle.

Da ist kein Hopfen verloren – Sierra Nevada Torpedo IPA

Terracotta-farben und nach dem Eingießen praktisch ohne Schaum, und dennoch spürt man beim Trinken die prickelnde Frische des Sierra Nevada Torpedo IPA, die man sich von einem süffigen Bier erhofft. Doch nur ein Teil dieser Frische kommt tatsächlich von der (eigentlich geringen) Kohlensäure – die sehr fruchtig-zitronige Note, verursacht durch den starken Hopfeneinsatz, und der ebenso entstehende äußerst bittere Geschmack sorgen für ein unerwartetes, aber sehr angenehmes Trinkerlebnis.

sierra-nevada-torpedo-ipaIPAs (India Pale Ale, weil sie im 19. Jahrhundert für den Export nach Indien mit den dafür notwendigen Eigenschaften der Halt- und Transportierbarkeit geschaffen wurden) sind vielleicht erstmal gewöhnungsbedürftig. Die extreme Bitterkeit durch den Hopfen und die zusätzliche Trockenhopfung mag nicht jedem munden – doch für mich, der ich normalerweise bittere deutsche Biere wie Jever und andere eher meide, ist diese fast schon adstringierende Bitterkeit dann wieder ansprechend. In Kombination mit der herrlichen, hocharomatischen Fruchtigkeit bleibt der Geschmack, auch dies überraschend für ein Bier, noch eine Viertelstunde lang am Gaumen. Ich habe es sowohl zum Essen (mit kretischem Ziegenkäse, Oliven und Schinkensandwich), als auch pur in der Sonne sitzend ausprobiert – funktioniert beides wunderbar. Im ersteren Fall putzt das Sierra Nevada Torpedo IPA die Geschmacksknospen frei wie kein zweites Bier das kann, und im zweiten Fall tun die Zitronen- und Orangenaromen, rein natürlich entstanden, einfach ihr bestes, meine dürstende Kehle mit wunderbar unsüßem, klarem Kitzeln zu kühlen. Mit 7,2% Alkoholanteil sorgt es dann auch für schnelle, gute Stimmung.

Die Flasche selbst ist nichts ungewöhnliches. Sie ist mit einem uns bekannten Kronkorken verschlossen, und hat ein hübsch gestaltetes, aber nicht übermäßig hippes Etikett.

Dies ist eines der exklusiven Biere, die in einem kleinen Regal in meinem lokalen Galeria Kaufhof zu haben sind (dort gibt es auch das Stout des gleichen Herstellers), für den erstmal etwas abschreckenden Preis von knapp 3€ die Flasche – doch, so finde ich, ist das für die Qualität durchaus angemessen. Für den Dauerkonsum für mich eh zu bitter, bleibt so ein starkes IPA eben etwas Besonderes für einen besonderen Anlass.